Aus der Abteilung "ein Taigan kommt selten allein" - ist er zu uns gestoßen:

Byshik, der lieber "Aljosha" heißen wollte, also "der Joshi", als Geschenk gedacht, konnte er dort und dort nicht bleiben... :-( - bald 19 Monate alt, musste er vorerst weiter ziehen... 
Wenn auch meine Hunde mir erklärten:

er würde mich weiter begleiten, ich auf ihn achten, "wir wären doch in Verbindung... telepathisch" - - -  ;-)  

 

Ja - tK, die telepathische Kommunikation mit Tieren zieht weite Kreise...

Sehr weite.

 

Mir wurde dadurch viel gezeigt und viele Sorgen genommen...

"Wild Tigan" - sechs Monate alt...

"Wild Tigan" - 12 Monate alt

"Wild Tigan" - 18 Monate alt

Sozusagen mitten ins Herz ist er uns gesprungen:

 

"Tigon", Taigan (kirgisischer Windhund) - Nuggets "Geschenk":

18 Monate alt, 25,3 Kilo schwer und 72 cm hoch - seit Juli 2015 bei uns,

Typ "ich-passe-auf-mir-entgeht-nix" (manchmal noch etwas unausgegoren - aber wird schon, mein Bub <3 )

Dass Jule seit Januar 2012 bei uns wohnt, haben wir im Prinzip Nugget zu verdanken ;-) - Hortaya-Borzaya,  bald fünf Jahre alt, 67cm hoch und ein Leichtgewicht, Typ: "Ihr-MÜSST-mich-einfach-lieb-haben".

Meine "Russische Steppen-Prinzessin", meine Freundin, meine Gefährtin.


Dass sie derzeit nicht bei uns sein darf, haben wir Menschen zu verdanken, die in der Enge ihrer Grenzen und kleinen Wahrnehmung fest stecken und glauben, "im Recht" zu sein.

Menschen, die nichts anderes können, als das, was sie sehen auf ihren Wissensstand herunter zu brechen... So geschieht viel Unglück, aber auch das wissen sie nicht.

Jenen Menschen fehlt Herzensweisheit.

 

Jule selbst hat in einer langen Tierkommunikation die passenden Worte dafür gefunden... ich danke ihr dafür.

September 2015
September 2015

...aus "Cezar" wurde "Nugget" - weil er ein Goldstück war, eines von so vielen!


  Von August 2010 bis zum 26. Dezember 2015 bei uns, 76 cm hoch, 13 Jahre alt,   zuletzt mit Spondylosen beschwert :-(  und hochgradiger  Cauda equina...

und voller Frieden und Offenheit "müde an Seele und Leib", bereit für seinen letzten Weg..

Typ "ich-machs-für-dich-auch-wenn-ich-nicht-unbedingt-mag".

Wieder was gelernt: Chart Polskis sind super!!!

 

 

 

Den Weg in seine Seelenheimat hat er am

26. Dezember 2015 angetreten.

Gute Reise dorthin, mein Herzhund...

 

Seniorenausflug :-)


Juni 2015...


Wohin?
Na - in die Grünanlage des Senioren-

wohnheimes ;-)

4. Oktober 2014
Gina, seit Dezember 2003 bei mir, mehr Akbash als Mix, so um die 20kg schwer, 16 Jahre alt, Typ: "Mein Leben war bemerkenswert, sehr bemerkenswert..." - Ja, es ist viel Altersweisheit gewachsen und Gelassenheit :-) - Sie war und ist meine Beraterin.

Gina hat Ende August 2016 die Seelenflügel genommen, ich denke gerne an ihre Worte im Juni:

"Akzepiert, handelt, lernt. Seid dankbar! Wir sehen uns, Freundin..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für Sana und Filou

 

 

 

 

 

 


Filou, geb. 23.3.2006, geholt Ende Juli 2006,  mein erstes Hundekind... 74 cm  hoch, ein Filou durch und durch, "Alf" wäre auch passend gewesen..., Galgo Espanol
Typ "ich-kann-wirklich-nix-dafür-komm-sind-wir-wieder-gut-ey-voll-Urvertauen-keine-Angst-vor-nix"
Wieder was gelernt: auch Hundekinder lernen mit Geduld und Liebe.
So wie Sana wurde auch Filou nach meinem Klinikaufenthalt 2010 von ASPA einbehalten, mit haarstreubenden Begründungen


Filou's und Sanas Menschen haben mich  letztlich doch über meine Website "gefunden"!

Zufälle gibt es nicht...

Danke an Euch!

 

 

 

 Tierschutzorganisationen und alles was laut schreiend "Tierschutz" ruft werden von mir seither sehr genau unter die Lupe genommen. Ebenso Orgas und TS-Vereine, die pauschal alles kastrieren, ohne Rücksicht auf die Einzelsituation und auf das Alter der Hunde.

 

Aus aktuellem Anlass - oder vielmehr, aufgrund einer Reihe von Anlässen, denen immer neue hinzukommen, habe ich mit freundlicher Genehmigung einen Text übernommen und hier platziert, der nachdenklich machen sollte und hoffentlich zum Umdenken und Andershandeln anregt...

Auch ich habe erst in den letzten Monaten begonnen so einiges zu reflektieren, was ich vor drei, vier Jahren für "super" hielt...

 

 

 

 

 

Wo soll das noch hinführen?

 

von Michael Schlesinger

 

Der betreuende Tierschutz in Deutschland hängt am Tropf und ständig kommen Meldungen, dass eine Einrichtung jämmerlich verendet ist. Dies war jüngst in Schleiz der Fall, dort werden jetzt die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt. Fazit: Etliche Hunde, Katzen und Kleintiere müssen irgendwo untergebracht werden. Doch wo soll dies auf Dauer hinführen?

Auch wenn es so einigen nicht gefällt, doch auch dies muss einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden. Es kann nicht angehen, dass eine Flut von Hunden aus dem Ausland bei uns Unterschlupf findet, gleichzeitig aber die Gelder, die für diese Tiere gebraucht werden, ins Ausland gehen. Es kann nicht sein, dass wir ständig mit Spendenaufrufen für ausländische Einrichtungen überhäuft werden, wenn wir uns schon um die Tiere von dort kümmern. Es kann nicht sein, dass jeder, der dies offen ausspricht, als Rassist dargestellt wird. Wir sind hier bei uns z. B. multikulturell und dennoch verwahren wir uns davor, dass auch noch die letzten Gelder, die dem betreuenden Tierschutz außerhalb der großen Vereine verblieben sind, mit solchen Aufrufen ins Ausland transferiert werden. Ständig kommen Anfragen, ob nicht der eine oder andere Hund aufgenommen werden könne, ein Hund aus Deutschland, doch alle Einrichtungen sind voll. Genauer, alle verbliebenen Einrichtungen sind voll oder stehen vor dem finanziellen Aus.

 

Tote Hunde an Autobahnknotenpunkten

Seit einiger Zeit veröffentlichen wir Videos unseres Tierheims der anderen Art, doch auf das Video der Fütterung, dessen Link auch über die Verteiler ging und dessen Inhalt auch unsere fast maroden Zustände zeigt, stellvertretend für viele andere Einrichtungen, da für Renovierung das Geld fehlt, das großteils dahin ging, wo die Hunde bei uns herkommen, scheint niemanden zu interessieren. Nicht einmal die „Kritiker“ unserer Arbeit scheinen ihre Aufmerksamkeit darauf gelenkt zu haben.

 

Ebenso unberührt wird mittlerweile damit umgegangen, dass an einschlägigen Autobahnknotenpunkten immer mehr tote Hunde aufgefunden werden. Es scheint nicht einmal nach einem Chip geschaut zu werden, um den Ursprung dieser armen Kreaturen bekannt zu machen. Dies bringt mich dann wieder zum Thema Gelder ins Ausland. Gehen diese Gelder dann auch dorthin, wofür geworben wurde, oder wird zumindest ein nicht unerheblicher Teil von Verwaltung und sonstigem Drumherum verschlungen. Z. B. Reisekosten, um Spenden und Gelder zu übergeben?

 


Welche Farbe hat die Herde?

Früher sprach man einmal von schwarzen Schafen im Tierschutz, doch was wenn fast die ganze Herde schwarz ist? Heute muss man wohl eher das weiße Schaf als Ausnahmen bezeichnen. Dumm nur, dass so viele gutgläubige Tierfreunde diesen schwarzen Schafen folgen, ohne zu sehen, was dort für ein Schindluder getrieben wird.

Nein werte „Kritiker“, dies ist nicht ein versteckter Spendenaufruf, sondern nur der Versuch, die erste Kruste eines eitrigen Geschwürs anzukratzen, um den Dreck ein wenig abfließen zu lassen. Wie oft haben wir das schon versucht, doch es wird täglich schlimmer.

Aus Geiz und Angst um den Gewinn am Hundetransfer werden immer mehr Hunde, die als Rückläufer dem Verein auf der Tasche liegen könnten, auf so genannte „Notpflegestellen“ verfrachtet und, wenn nicht schnell genug sich ein neues Zuhause finden lässt, auf die nächste und nächste und nächste, bis die Tiere so psychisch am Ende sind, dass selbst eine Einschläferung von Amtstierärzten befürwortet und abgesegnet wird. Manch anderer Verein droht erst damit, den Hund wieder zurück in Land X zu bringen, und wenn die Drohung nichts bringt, wird es dann tatsächlich durchgeführt.

Alle anderen Hunde landen in deutschen Einrichtungen und bringen diese an den Rand ihrer Kapazitäten oder treiben sie sogar in den Ruin. Auf der Strecke bleiben unsere eigenen deutschen Notfälle. Bestes Beispiel, nicht einmal eine einzige Anfrage in drei Wochen für Welpen, die uns im Pappkarton aus dem Kofferraum einer Limousine übergeben wurden. Nein, Hunde „vermittelt“ man heute auf Autobahnraststätten, Autohöfen oder Parkplätzen. Das ist immer ein zentraler Platz, wenn ein Transport quer durch Europa nach Deutschland kommt.

Ja, diese „Tierschützer“ wissen, wie das Geschäft geht. Einmal ein Wochenende auf Tour und gut ist. Die Betreuung obliegt den anderen, die 7 Tage die Woche meist rund um die Uhr in Bereitschaft ohne Aussicht auf Urlaub oder Auszeit wegen Krankheit zur Verfügung stehen müssen.

 

 

Ja zur staatlichen Kontrolle

Wir befürworten die steuerlichen Sanktionen bei „Sch(m)utzgebühren“ eingeführter Tiere, die europäischen Auflagen für Transporte und sogar die als schikanös bezeichneten Zollkontrollen auf Flughäfen. Nur so lässt sich vielleicht noch die Spreu vom Weizen trennen.

Wie lange soll der Direktvertrieb aus dem Ausland noch weitergehen und dabei regelmäßig Hunden das Leben kosten, wenn sie bei der Übergabe an der Autobahn, „abgängig“ werden? Wie lange noch werden total scheue Hunde gesucht, die als total menschenbezogen ihrer „neuen Familie“ übergeben wurden? Wie lange müssen wir uns anhören, „das kann doch mal vorkommen“ und zusehen, dass dies zur Regel wird? Wie lange werden Hunde aus dem Katalog ausgesucht und nach Bezahlung zur Raststätte „des Vertrauens“ gebracht? Haben wir hier nicht die gleichen Machenschaften und Zustände wie beim Menschenhandel, wenn sich jemand eine Braut aus Thailand bestellt?

 

 

„Platz“-Qualitäten

Was wenn es dann doch nicht der Hund ist, den man sich vorgestellt hat? Da kommen dann die Meldungen, die Leute wollen ihn sofort wieder weg haben, obwohl wir sie über alle Eigenheiten des Hundes aufgeklärt hatten. Oh ja, diese Aufklärungen, wie wir diese lieben, bisher hat noch kaum eine Beschreibung außerhalb des Aussehens auf den Hund gepasst, den wir von Tierschutzorganisationen aufgenommen haben. Doch bei den Hunden auf der Endstelle soll alles bestens erläutert gewesen sein? Sehr unwahrscheinlich.

Doch was ist nun mit diesen Hunden, nachdem sie wieder in der „Obhut“ des Menschen sind? Die „Endstelle“ möchte oft diesen doch nicht optimal passenden Hund zurückhaben, dies stößt dann bei der vermittelnden Orga auf Unverständnis und als Notfall taucht dieser Hund, von der Endstelle so jäh verstoßen, in allen Verteilern und auf allen Webseiten als der total missverstandene Notfall wieder auf, bekommt meist einen neuen Platz, sei es Pflegeplatz, sei es Endstelle und oft genug geht das gleiche Spiel von vorne los.

 

So und ähnlich werden dann alle guten und seriösen Stellen im Land zugeschossen und es bleibt kein Platz für eigene Notfälle. Finden dann die ach so tollen Tierschützer keine Unterkunft mehr, kommt der Spendenaufruf für die ausländische Pension oder die ausländische, arbeitslose Pflegestelle oder die ausländische Auffangstation, die ja alle so tolle Arbeit leisten. Unsere deutschen Stellen interessieren scheinbar niemanden, so gibt eine nach der anderen aus Frust, finanzieller Not oder aus körperlicher Überlastung auf.

Das kann und darf es nicht sein!!!

 

Überlegt genau, wem ihr vertraut, hinterfragt alles und jeden, egal wie lange ihr ihn oder sie kennt, denn wie sagt man so schön? Gelegenheit macht Diebe.

 

„Es geht um die Tiere“?

 

Wer wird wohl der oder die Nächste sein, bei dem durch den Verteiler geht, xx Hunde und xxx Katzen brauchen dringend eine Unterkunft, aus gesundheitlichen oder aus finanziellen Gründen macht diese oder jene Stelle zu? Wer kann das jetzt schon sagen, so etwas kommt immer ganz plötzlich, weil immer bis zum letzten Moment versucht wird, die Einrichtung zu erhalten und den Tieren ein Heim zu geben. Kurz vor Schluss kommen dann noch von den Orgas, die dort evtl. Hunde untergebracht haben, Sprüche wie, es geht doch um die Tiere. Daran können wir kaum noch glauben, denn das Interesse an untergebrachten Tieren beschränkt sich nach einiger Zeit nur noch darauf, ob denn vielleicht doch ein Interessent sich gemeldet hat, das einzelne Tier ist nicht mehr interessant.

 

Denkt mal darüber nach, denn wer ist der Nächste: wir, ihr oder ein anderer?

 

Uschis Oase

Tierschutzinitiative Vorpommern e. V.
Michael Schlesinger
Jeeserweg 1
18519 Sundhagen / Miltzow
Tel.: 038328-65244
Fax: 038328-659812
Mobil: 0173-4772076
Mail to: Michael@usichsoase.com
Internet: http://www.uschisoase.com/

 

 

 

 

 

 

 

r die Schnauzen, die schon bei uns gelebt haben und wieder gehen mussten, warum auch immer...

 

 

 

 

 

 

 

 

Einstein

 

Ja, von mir aus. Sie könnten ihn noch unterbringen und er könnte noch mit fahren, WENN er denn… jaaaa – ich nehme ihn auf Pflege. „Titan“, ein großer grauer Wolf mit einem rührend-menschlichen Gesicht, etwas zu großen Stehohren, einem unverwüstlichen Willen, es den Menschen Recht zu machen – und sehr verletzbar.

 

Es den Menschen Recht machen! Ja, wenn ihn die Menschen aber schon nicht verstanden, als sie ihn nach dem Transport in das kleine Auto luden, um ihn zu bringen? Er habe randaliert und geschnappt, vom Gebell gar nicht zu reden. In ihrem Garten habe sie ihn sofort separieren müssen! Ich solle ihn sofort bei ihr abholen… so die Bekannte, die ihn mir ein Stück weit mit brachte.

 

Au weh! Mit sehr gemischten Gefühlen und vielleicht lieber ohne meine Hunde? fuhr ich los.

Der Wolf röhrte abgetrennt von den anderen allen im oberen Teil des Gartens… und trampelte von einem Bein aufs andere…

„Den musst Du runter holen, der will nur hier sein. Der will nur nicht da oben allein stehen!“ Mein Bauchgefühl sagte mir das. Sie sah mich skeptisch an. Dann öffneten wir die obere Türe und hofften - - - es geschah… NICHTS. Er trampelte glücklich nach unten auf die Terrasse und war bei uns! Später erfuhr ich, dass er von Welpenbeinen an neun Jahre lang im Hof des Hauses seiner Menschen verbracht hatte. Seine Menschen drinnen, er draußen. Riesige graue Pfoten legten sich in meine Hand, wenn man sie ihm hin hielt. Er schlug sozusagen sofort ein…

 

Unser Zusammenleben wurde auch ein einziger Deal… leider.

Er passte nicht zu uns. Furchtbar dies zu sagen, aber ehrlich. Einstein war der geborene Begleiter einsamer Abenteurer… Mehr als „seinen“ Menschen brauchte er nicht. Und so musste er sich arrangieren. Mit meiner Katze, mit meinen Hunden, mit uns. Aber um den Preis meiner Anwesenheit tat er alles. Für ihn war ich gut genug, für ihn war ich die beste, etwas anderes Gutes hatte er ja noch nie vorher gehabt, ausser einem Hof und Menschen, die ihn abgegeben hatten, weil sein letztes Lebensdrittel begann.

 

Ich nannte ihn Einstein. Meine Hunde tolerierten ihn, aber sie mochten ihn nicht. Das konnte ich ihnen überhaupt nicht verdenken. Bisher gab es in meinem Rudel kein Gerangel um mich und meine Streichelhände. Mit Einstein zog die Eifersucht ein. Und der Ärger. Filou begann ihn zu ärgern, indem er mit ihm rannte, mit ihm rennen wollte – um ihm dann mit voller Geschwindigkeit zu zeigen, dass ER das nie können würde… Einstein ließ sich immer wieder darauf ein… und oft genug tat er mir leid deshalb. Sana ignorierte ihn oder – in ganz krassen Fällen – maßregelte sie ihn mehr als deutlich. Häufig auch, wenn er MIR zu lästig wurde und einfach keinen Abstand hielt. Dann schritt Sana ein. Leise, trickreich und mit Nachdruck.

 

Gina möchte Einstein überhaupt nicht. Was sie ihm auch mehr als deutlich zeigte. Im allgemeinen war Ruhe im Haus. Wobei ich sicher bin, dass es während meiner Abwesenheitszeiten im NICHT-homeoffice zu ernsten Rangeleien gekommen sein MUSS. Zwar fand ich beim Nach-Hause-kommen immer alles friedlich vor, aber es gab verschiedentlich eingerissene Ohren und ab und an auch kleinere Blutfleckchen und Fellbüschel zu sehen…

Dennoch möchte ich das Jahr mit Einstein nicht missen. Und ich glaube heute noch, dass ich seine ganz große Liebe gewesen sein muss – und er niemals glauben würde, dass ER die meine nicht war. Gleichwohl verstand ich ihn und manchmal tat mir das Herz weh, wenn wieder deutlich zu erkennen war, dass er nicht passte. Dass die meiste Unbill gar nicht seine Schuld war – sondern nur dadurch entstand, dass ER der falsche Hund am falschen Ort war.

 

In dieser Diskrepanz konnte ich ihm nicht gerecht werden, ohne die anderen vor den Kopf zu stoßen, denn alles was ich ihm zu teil werden ließ, forderte er in exakt dem selben Maß weiterhin. Es durfte keine Veränderung, keine Rückschritte in seinen Augen geben. Nur dies eine Beispiel: Manchmal hatte ich nach der Spätnachmittags-Runde für alle ein Stück altes hartes Brot… manchmal aber nicht. Meine Truppe störte das nicht weiter. Einstein jedoch nahm es persönlich. Er forderte und trampelte von einem Vorderbein aufs andere… folgte mir in alle Winkel, obwohl die anderen längst in ihren Körben lagen und ich meiner Arbeit nach ging. Dieses „ich-mach-alles-für-dich“ nahm schon fast klebrige und bucklige Züge an… sich so anzubiedern… Wobei ich überzeugt davon bin, dass er im Zusammenleben mit mir allein, diesen Zug gar nicht so herausgekehrt hätte, heraus kehren MÜSSEN.

 

ANdereseits konnte ich gerade mit Einstein wunderbar alleine spazieren gehen. OHNE Leine. Der erste Hund in meinem Leben, der genau so war, wie man sich das immer vorstellt. Auto auf, Hund heraus… Hund bleibt stehen. Einstein jagte keine Katzen und rannte nicht plötzlich von einem Schmetterling abgelenkt davon. Andere Menschen ließen ihn kalt. Andere Autos und andere Hunde auch. Er hatte wohl auch nicht allein auf seinem Hof gelebt, denn er war ausgesprochen gut sozialisiert. Und er beherrschte die Hundesprache so detailliert… mir blieb oft die Luft weg. Und so nahm ich so manchen Sams- und Sonntag in Kauf, die erste Hunderunde mit Sana, Gina und Filou zu absolvieren um dann anschließend mit einstein allein los zu stromern, während meine Mädels den Kaffeetisch reichteten.

 

Nein, Einstein war meine Kragenweite nicht, aber ein herzensguter Lapp, wenn man ihn denn gut sein ließ! Und alleine wäre er gut gewesen. Der beste Einstein, den je einer hatte.

ER war es, der mich in einer der dichtesten Nebelsuppen die ich je erlebte an einem entsetzlichen Novemberabend nach Hause führte. Mich und die anderen Hunde. Um unser Dorf und unser Haus kannte ich jeden Steg. Trampelpfade und Schleichwege, Abkürzungen, zu meist die Ackerlängen und alle Abzweigungen.

 

Aber: „seltsam im Nebel zu wandern“ - - - Und der Nebel war so dicht, dass vielleicht 20, 30 Zentimeter vor mir schon nichts mehr zu sehen war. Das macht Windhunde völlig hilflos. Sie sehen nichts, wo doch sehen ihre vorrangigste Fähigkeit ist, noch vor dem Rennen, denn ohne etwas gesehen zu haben, muss Windhund auch nicht los rennen. Ein Greyhound ist kein Nasenarbeiter. Eher noch ein Galgo, und Filou hatte wohl in seiner Ahnenreihe irgendwo einen Podenco gehabt, denn er war öfter auch mit der Nase voraus unterwegs. Aber nicht so gezielt und ausgereift. Ich stand zwischen 18 und 20 Uhr irgendwo in der Pampa wohl nicht allzu weit von meinem Haus, ja vom Dorf entfernt und sah - - - nichts. Rein Interesse halber piekte ich einen vergessenen feuchten Maisstengel in die Erde. Ich wollte doch bei nächster Gelegenheit wissen, WO ich die Orientierung verloren hatte. Aus dem Gewaber tauchte nun Einstein auf, nachdem ich ihn gerufen hatte. Die anderen standen wie die Nasgul-Rösser aus dem „Herrn der Ringe“ verzerrt wie riesige Schatten um mir rum. „Eini – such nach Hause, zu Raphaela, Agnes und Gabriel…“ Ich nahm einfach an, die Kindernamen sagten ihm mehr, als „nach Hause“. Wir hatten so was ja noch nie gemacht. Mich packte zunächst der Schreck im Nacken, als ich gewahr wurde, dass er komplett in die andere Richtung los zog. Aber es half ja nichts… Einstein war meine einzige Chance, wollte ich nicht noch eine Stunde oder länger mit Suchen vertun. Die Hunde gingen sofort in seine Richtung mit. Nach nicht einmal zehn Minuten tauchten Acker und Graben auf, die ich immer überquere wenn ich nicht mit allen vier Hunden durchs Dorf will, sondern nach hinten durch den Garten gehe. Nach zwei, drei Minuten hatte er exakt die Stelle am Graben gefunden, die wir immer nehmen – direkt gegenüber dem Garten. Nu mussten wir also noch den Acker überqueren und dabei möglichst nicht abdriften, aber ich hatte ja Eini an der Leine, da konnte nichts mehr schief gehen…

 

Einstein. Er konnte Türen öffnen, tat es aber nie zu seinem Vorteil. Er konnte es, aber er tat es nur, wenn man ihm das sagte. Einstein, der auf den Hinterpfoten so groß war wie ich – eher etwas größer. Und der mich in der Silvesternacht in dieser vollen Mannsgröße von hinten buchstäblich umarmte, vor lauter Not und Angst. Ich hatte es völlig übersehen: Meine Hunde sind silvesterfest. Und um 23 Uhr geht’s noch mal nach draussen. Aber ich hatte den Eini nicht bedacht. Mein Sohn hatte zwei an der Leine und ich auch…. Und als ich von hinten den Aufprall spürte – war mein erster Gedanke „irgndwer“ steht hinter mir. Einer den ich kenne und der mich foppen will, oder einer der aus einem Fernsehkrimi entlaufen ist… Erst als mir zwei riesige Pfoten vorne auf meiner Brust gefaltet klar werden… und die Schnauze an meinem Ohr, höre ich auch die Stimme meines Sohnes: „hey, hey, hey… Einstein!“

Mein Sohn dachte zunächst, der Eini wäre durchgedreht und wollte mir was. …

 

Dem großen grauen Wolf ging nur das Hemd… und wo sollte er Zuflucht finden, wenn nicht bei seiner großen Liebe. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich ihn soweit hatte, dass er wieder mit allen vier Pfoten zur Erde zurück kam. Ich musste mich sozusagen in seiner Umarmung drehen, Brust zu Brust und ihn ein paar Sekunden lang noch fest halten, damit ihm auch klar war, ich bin ganz sicher da… dann fieselten wir langsam die Pfoten von meinem Hals und ließen ihn an mir runter rutschen… wie schneeeingematscht und streusalzbefleckt ich aussah… davon reden wir nun nicht….

 

Die Querelen zwischen Filou und Einstein wurden immer heftiger. Und Sana wollte nicht immer klären. Sana hatte zwar die Rudelführung, aber Sana wollte nicht immerzu schlichten. Und mein Klinikaufenthalt rückte näher. Meinen Hunden zu liebe – er musste umgesetzt werden. Wenn er schon keine Endstelle fand. Lange stellte man sich im Verein taub.

Ein neunjähriger Hund mit ein paar Macken, ein Riese noch dazu … denn will so schnell keiner. An einem Samstag Ende August… machte ich mich morgens um halb sieben zu einem langen Spaziergang mit Einstein auf. Wenigstens wollte ich ihm noch einmal das Gefühl geben, ganz mit mir allein zu sein.

 

Um acht Uhr oder etwas danach würde man ihn abholen. Und es würde ihm hoffentlich nicht das Herz brechen. Einstein, fixiert auf mich – so treu wie eifersüchtig.

Ich komme mir immer wie ein Verräter vor, wenn ich einen der Hunde aus meiner Obhut gebe. Denn Hunde können nicht in die Zukunft denken. So wie sie – zum Glück – nicht wissen, dass es immer auch schlechter werden kann, so wissen sie auch nicht, dass es vielleicht einen noch besseren Platz für sie geben könnte…

 

Und ich kam mir auch hier als Verräter vor, weil er auf mein Bitten hin sofort in das fremde Auto sprang. Er tat es, weil ICH es ihm gesagt hatte. Und nun erwartete er weitere Anweisungen. – Es gab keine weiteren Anweisungen. Wieder schloss sich eine Box.

 

Für Einstein war mir das Herz schwer!

Für meine Hunde und mich – würde nun alles wieder einfacher werden. Für uns war es mir leicht…

 

Einige Wochen später, noch ehe ich in die Klinik ging, erhielt ich einen Anruf von einem allein stehenden Herrn, bei ihm wohnte Einstein nun. Er wolle mir nur sagen, dass es ihm gut ginge. Ja… er wäre sehr besitz ergreifend aber das könne er schon steuern. Ein Einzelhund halt. Jaaa – er hätte sehr getrauert, deswegen rufe er auch erst jetzt an. Es ginge nun besser, seit ein paar Tagen…

 

Einstein. Ein toller Charakter in einem tollen Kerl - - - nur manchmal passt es einfach nicht...


 

 

 

Einstein...
Einstein...

 

 

 

 

 

 

„Sir“ Sirio

 

Es gibt Hunde im Leben von „Hundeme

nschen“, die sind anders. Die passen einfach. Ohne lang erobert worden zu sein. Ohne viele Bemühungen. Sie sind da und sie verbreiten eine Harmonie und Aura, als wären sie immer hier gewesen.

Und solche Hunde sollte man niemals gehen lassen.

 

Sirio war/ist so ein Hund.

 

Ein Galgomischling, sieben Jahre alt damals. Ich hatte ihn bereits für seine künftigen Menschen ausgesucht… und er sollte nur so lange bei mir bleiben, bis klar war, dass er wirklich für Menschen „geeignet“ ist, die noch nie einen (Wind)Hund hatten.

 

Erhaben und gelassen stand er mitten im Garten meiner Bekannten im Schwäbischen, wo ich ihn abholte. Und schnell, viel zu schnell! war klar, dass er alles konnte, was er können musste.

 

Er ging mit mir vom ersten Tag alle Wege. Er lernte in wenigen Tagen Treppen zu steigen, er fuhr Auto und Straßenbahn, er war stubenrein und leinenführig…

 

Aber das allein war es nicht. Als ich ihn an jenem Abend mit nach Hause brachte und ihn im Wohnzimmer meiner auf den Sofas und Sesseln lümmelnden übrigen Rudeltieren vorstellte, vollzog sich ein einprägsames Schauspiel. KEINER der Hunde war aufgesprungen. Ich kam mit Sirio ins Wohnzimmer und Sana sah ihn an: „Junge, wer du auch bist und woher du auch kommst: HIER habe ich das Heft in der Hand!“ stand deutlich über ihrem Köpfchen zu lesen! Sodann erhob sich die Dame Sana und pinkelte ein paar Tröpfchen gleichsam als Bekräftigung mitten auf den Wohnzimmerboden und schritt wieder auf ihren Platz. Sofort löste sich Sir Sirio von meiner Seite, schritt in die Mitte des Zimmers zu den Tröpfchen, hob ein Bein und pinkelte darüber, wandte sich um, blickte in die Hundegesichter und sein Blick sagte deutlich: „Was auch immer bisher hier war – ab heute habe ich das Sagen!“

 

Und so war es. Vierzehn Tage lang.

 

Zwei Wochen, in denen ich mich kaum um meinen Junghund Filou kümmern musste – Sirio hatte alles im Griff, beide waren wie Vater und Sohn. Filou war damals ein Jahr alt und Sirio brachte ihm eine Menge bei.

 

Ging ich aus dem Haus, erhob sich Siro und wechselte den Platz – er lag dann im Wohnzimmer vor der Türe.

Kam ich nach Hause, erhob er sich mit leichtem, liebevollem Schwanzwedeln, sagte, dass alles in Ordnung sei und ging zu „seinem“ Platz… die anderen rührten sich während dieser „Schlüsselübergabe“ nicht.

 

Siros Fähigkeit, ohne viel Getöse Klärung herbei zu führen, eine ausgeglichene Atmosphäre zu schaffen, war phänomenal.

 

Aber er war perfekt, er konnte alles, er war versprochen und seine Familie wartet.

 

Ich gestehe heute: wenn ich nochmals die Situation durchdenke – HEUTE würde ich ihn behalten. Er war von einer Sekunde auf die andere angekommen, er passte perfekt in mein kleines Rudel und er war für mich eine kolossale Entlastung, grade was Filou anging.

 

Damals habe ich nicht für ihn geflunkert… Sondern mit seinen künftigen Leuten telefoniert und wahrheitsgemäß berichtet: er wäre so weit.

 

Es war kein schlechter Platz. Sie warteten auf ihn. Sie hatten sich vorbereitet. Aber sie wussten nicht, konnten nicht wissen, dass sie eine Perle bekamen. Einen Hund der ihnen haushoch überlegen war!

 

Sie kamen. Und wir gingen gemeinsam noch ein Stück spazieren, damit der Gute nochmals zur Toilette konnte vor der langen Fahrt. Sein neuer Herr wollte ihn führen. Und schon als er die nagelneue, harte Lederleine auspackte, krampfte sich alles in mir zusammen: dieses Stück Leder passte nicht zu Sir Sirio. Schon optisch nicht….

 

Und er machte auch mehr als deutlich, dass er diese neuen Herrschaften eher links liegen lassen würde… er machte kein Geschäft. Kein kleines und kein Großes! Den ganzen Weg nicht.

 

Erst als ich ihn auf dem Rückweg übernahm, weil mir so etwas schon schwante, waren die Dinge für Sirio wieder in Ordnung und er löste sich sofort! Alle Alarmglocken hätten spätestens jetzt bei mir schrillen müssen. Das taten sie vielleicht auch, aber ich sollte sie doch nicht hören.

Wir tranken Kaffee, erledigten den Schreibkram, das Übliche eben.

 

Seinen Blick – ruhig, mir durch die Autoscheibe zugewandt – werde ich niemals vergessen. Er STAND im Kofferraum des weißen Passat, als wolle er sagen: nö, jetzt – das ist aber jetzt voll der Irrtum, oder? – und sah mich ohne Vorwurf, aber über alle Maßen ungläubig an: „WAS habe ich falsch gemacht?“

 

Sei sicher mein Guter – DU hast nichts falsch gemacht. Den Fehler habe ICH gemacht. Ich hätte meinem Bauchgefühl folgen müssen und den Leuten einen anderen Hund suchen… es gibt ja genügend, die ein Plätzchen brauchen.

Verzeih mir und: fest versprochen! Ich habe daraus gelernt. Ich hoffe, Du lebst noch und konntest trotz alledem ein bisschen Glück für Dich finden, auch wenn der Platz für Dich nicht erste Wahl war. Es hätte dort ein anderer viel besser gepasst…

 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

*** *** ***

 

 

 

Peppone geht heim

 

Beim letzten Mal hatte ich mir geschworen, dass es diesmal anders laufen würde. Damals, als sie Samson aufgelesen hatten und ins Tierheim gebracht. Mit vorwurfsvoller Mine erwarteten sie mich dort.

 

Dabei konnte ich gar nichts dafür. Samson litt an Nierenversagen wie so viele kastrierte Kater. Und an jenem Abend wollte er zum Sterben nach draußen gehen.

 

Jetzt war es also genauso wieder passiert. Peppone, dessen Name durch allerlei Witzeleien unter meinen Kindern und mir zu „Bowie“ mutiert war, Bowie also hockte in der Tierklinik. Dabei wollte er nur zum Sterben gehen. Wieder hatte ihn wer eingesammelt.

 

Immerhin bekam ich keine Anklage zu hören. Der Arzt der da war – so was passiert natürlich sonntags oder Mittwoch Nachmittag – meinte nur: „nehmen Sie ihn mit, solang er sich noch einigermaßen wohl fühlt, würde ich erst mal gar nichts machen. Ansonsten kommen Sie wieder… Sie wissen ja Bescheid…“ Jaja, wir können auch noch eine Infusion legen, wir könnten auch noch…, schon gut. Machen wir nicht.

 

Wir hatten noch ein paar Tage. Ich musste Bowie keinen Kranken-Schlafplatz richten! Oh nein. Ich hatte die Rechnung ohne meine Windhunde gemacht: Beide Langnasen bauten sozusagen eine Hundeburg auf dem Sofa um meinen roten Kater. Sie standen nur abwechselnd vorsichtig auf, damit immer einer auf dem Sofa bei Bowie war.

 

So verging der Sonntag. Am Montag schien die Septembersonne auf die Holzterrasse und Bowie wünschte – nur noch eine halbe Portion – nach draußen gelassen zu werden. Er breitete sich wie früher auf der Terrasse aus und lag dort bis Mittag. Den Rest des Tages und in der Nacht waren die Hunde wieder seine Krankenschwestern. Fast schien es, als wollte er das noch genießen und deshalb noch eine Weile bleiben. Dabei muss ich sagen, dass es für beide Windhunde eine Meisterleistung war: Filou war zu dieser Zeit ein Junghund, der eigentlich alles andere im hübschen Kopf hatte, als sterbende Kater zu begleiten! Und Sana hat an manchen Tagen starke Schmerzen in den Hüften und steht und geht auf dem weichen Sofa nicht sonderlich gut. Trotzdem machte sie allerlei Verrenkungen, wenn sie das Sofa verließ und wieder kam, nur um den Kater nicht zu stören.

 

Aber auch mein roter Kater war kein Dummer… Zwar wusste er nichts vom so genannten „urämischen Erbrechen“, aber er umging dies instinktiv mit vielen, vielen Miniportiönchen Futter am Tag. Er fraß! Alle zwei Stunden mindestens ein paar Bröckelchen.

 

Am Dienstag Abend beschloss ich, ihn mittwochs in die Tierklinik zu bringen. Donnerstag und Freitag würde ich den ganzen Tag auf der Autobahn und in Stuttgart verbringen, also keine Chance, mich genügend um meinen Wunschkater zu kümmern. Die Mädels hatten mit Schule und den Hunden genug zu tun.

 

Ich hob still in der warmen Sonne sein Grab aus und legte mir einen Kissenbezug zurecht. Am Mittwoch war irgendetwas anders. Mein roter Kater wollte zum Frühstück auf seinen Platz am Stuhl hinter meinem Rücken. Das Katerchen wollte auf wackeligen Beinchen eindeutig hochgehoben werden auf seinen Platz. Das war das Zeichen für mich, sein Abschied. Während ich meinen Kaffee trank und meine Toasts bestrich feierten wir. Und ich schlug meinen Beschluss wieder in den Wind. Nix Tierklinik. Das geht nun so seinen Weg. Die Windhunde auf dem Sofa mit dem Kater… lieber so.

 

Meine Herdenschutzhund-Dame beobachtete nur, sie beteiligte sich nicht am Pflegedienst. Einige Male leckte sie ihn, mehr nicht. Sie schien zu denken: „Lass mer mal die anderen machen, viele Köche verderben bloß den Brei!“

 

Ich selbst war all die Tage ruhig, das lag nicht nur daran, dass ich schon mehrmals Tiere aus meiner Obhut gehen lassen musste. Mein Garten hat an der Ackergrenze ein Grab für den Kanarienvogel und zwei unserer Zebra-Finken, für einen Igel, für Samson, den Kater und Herrn Tucholsky, meinen ersten Kater. Nur Scampo, mein erster Hund durfte hier keinen Platz finden…

Auch Niño, mein Niño liegt dort…

Diese Ruhe kam auch von der Art wie meine anderen Nasen damit umgingen, ja SIE verströmten geradezu diese Ruhe und eine Art Natürlichkeit. Da widersprach ein Termin in der Tierklinik zum Einschläfern dem Szenario zu Haus von allein.

 

Am Mittwoch Abend verließ mein Katerchen die Hundeburg und begehrte Einlass in die Waschküche. Den letzten Weg geht dann doch jeder irgendwie allein, da hilft dann aller Beistand nichts mehr.

Dazu muss man wissen, dass die Waschküche keinesfalls im Keller liegt sondern ebenerdig, direkt vom Wohnzimmer aus zu erreichen. In dieser Waschküche hatten alle meine Katzen ihr Domizil in einer riesigen Lebkuchenkiste auf einem ausgedienten Küchentisch. Schon deshalb, weil ich den Katzen vor der wechselnden Pflegehund-Besetzung einen Zufluchtsort schaffen musste, nicht immer mögen sich alle.

Oja – ich habe auch den Katzen immer wieder mal Bettchen gekauft und entzückende Sächelchen… aber diese Lebkuchenkiste wurde stets bevorzugt. Mit einem Billigkissen von Ikea – waschbar und kostengünstig austauschbar, was sich übrigens auch für alle meine Hunde bewährt hat – Körbe sind zu teuer und sie haben sie zum Fressen gern. Steppdecken und Kissen von Ikea, dazu von ebendort die billigste Bettwäsche, so fährt man auch bei mehreren Vierbeinern erheblich günstiger als mit Kram aus der Zoohandlung. Dies nur nebenbei.

 

Bowie wollte aber nicht in seine Kiste sondern kletterte allein und sehr zielstrebig auf die Stapelbox mit der dunklen Schmutzwäsche, die ich vor der Waschmaschine stehen hatte – eigentlich zum Waschen. Das also sollte sein Sterbebett sein.

 

Ich höre mich noch heute sagen: „Okay mein Guter – waschen kann ich auch später. Das ist ein guter Platz zum Sterben“. Ich stellte noch eine Ration Bröckelchen und Wasser dazu, löschte das Licht und ging.

 

Sehr früh am Morgen – ich musste ja los, war mein erster Blick in die Waschküche: Bowie schlief… umgeben vom Muffelgeruch seiner Menschen auf der Wäschebox. Aber es würde nicht mehr lange dauern…

Meine dritte Tochter, Agnes kam zum Frühstück ehe ich fuhr und ich bat sie bevor sie aus dem Haus ginge, noch mal nach dem Katzenmann zu sehen. Ich hatte den Kissenbezug bereit gelegt, verabschiedete mich von meinem roten Wunschkater und fuhr. Ich war mir sicher, dass wir uns am Abend nicht mehr sehen würden.

 

Auf der Autobahn hatte ich Zeit zum Denken. Meine zweite Tochter hat eine Freundin, deren Mutter sich für die örtliche Katzenhilfe engagiert. Und ich höre noch, wie Raphaela beim Mittagessen sagt: „Mami, bei der Dori sitzt ein roter Kater und ich hab ihr gesagt oh Mann so einen wollte meine Mutter schon immer mal… Du sollst kommen und ihn am Nachmittag anschau’n.

 

Naja – geneigte Tierhalter wissen, was „mal anschau’n“ bedeutet. Nicht, dass ich klaglos alles einsammle. Meist stimmt es einfach. Ich hatte in meinem Leben immer genau die Tiere, die mir im jeweiligen Lebensabschnitt gut taten und die mir oft den nötigen Spiegel vor hielten.

 

So kam er damals zu uns. Erst zur Probe, ich hatte meine Akbashine noch nicht lang und keine Ahnung, wie ich ihr das nun beibringen sollte. Gina tolerierte ihn, sie liebte ihn nicht, wie etwa mein Galgo-Rüde Filou. Oder Sana, die jeder Katze ausserhalb des Hauses nach donnern würde. Sie tolerierte ihn. Das genügte ja. Bowie, der mit den Pfoten in die Gießkanne tauchte und sein Trinkwasser „schöpfte“, Bowie, der zu Niños Zeiten bevorzugt und gravitätisch nur die hintere Terrassentür benutzte… Bowie, dem ich immer einen schwarzen Kater versprach, der dann Don Camillo heißen sollte – und es nicht hielt… Bowie, der den großen Hunden schon mal mit der Pfote über die Schnauze wischte, wenn er an seiner Futterschüssel saß. Bowie, der sich zu den Mahlzeiten den Stuhl mit mir teilte und jahrelang verhinderte, dass ich mich zurück lehnen konnte… Bowie, der hundegeeignetste Kater der mir begegnet ist. Vielleicht habe ich deshalb in den letzten drei Jahren keine Katze mehr genommen… Obwohl ich weiß, dass Filou wieder eine Katze will…

 

Mittags in der Kantine, zwischen Schulungsunterlagen und hitzigen Debatten auf ganz anderer Ebene rief mich Agnes an:

 

„Mami, bevor ich in die Schule bin, hab ich noch mal in die Waschküche geschaut, da hat er grade das letzte Mal geschnauft. Ich hab ihn zugedeckt. Aber die Hunde, Mami! Die haben in dem Moment ein Geheul angefangen, das hättest du hören müssen. Wie Wolfsgeheul, so was hab ich noch nie gehört. Ich hab einfach gewartet, bis die ausgeheult hatten, bin ich halt zu spät gekommen…“

 

Klar, mein Mädchen. So was erlebt man auch nicht so oft. Dafür bin ich gern zu jeder Entschuldigung bereit. Und ich weiß, dass DIESE Art von Sterben meinen Kindern auch mehr geholfen hat, als der Gang zum Tierarzt.

Den Abschiedsgesang meiner Hunde hätte auch ich gern gehört obwohl mir schon bei Agnes’ Schilderung Gänsehaut über den Körper lief.

 

Als ich abends nach Hause kam, stand vor der Waschküchentür auf dem Fußboden eine von den vielen kleinen Laternen, die ich im Garten sommers überall stehen habe, mit einem brennenden Teelicht. Ich war richtig stolz auf meine Mädels. Genau so hätte ich es auch gemacht.

„Mami, wir haben ihn noch nicht eingegraben, das musst du machen.“ Wir heulten eine Runde…

 

Ich richtete Peppones Grab, legte zuletzt eine Sonnenblume darauf, brachte die Laterne nach draußen und war ganz ruhig. Schön, dass ich Dich getroffen hab und dass Du es ausgehalten hast in unserer verrückten Familie mit den teilweise durch geknallten Hundenasen…

Den Abend hindurch ging abwechselnd immer mal wieder einer der Hunde an die Terrassentür und guckte in die Dunkelheit. So als wollte jeder noch mal Zwiesprache halten…

 

Danke, Kleiner.

 

 

 

wieso Wassernapf?
wieso Wassernapf?

 

 

 

 

Für Niño 

 

Nasser Schnee platscht unaufhörlich über mich und Gina. Es ist schon Ende März und mit dem Schnee reicht es langsam. Wir sind die letzten auf dem Hundeplatz.

„Und warum“, frage ich die Hundeschulen-Susi „soll ich das machen?“

„Weil du des kannst… und du wolldest en zweite Hund!“

 

Jaaa – ich wollte, aber nicht jetzt, und nicht sooo einen. Mir fehlte das Geld momentan. So einfach war das. Und doch suchte ich nach Möglichkeiten. Ehrlicherweise muss ich sagen: mich reizte ganz schwer die Formulierung: weil du des kannst…

Mir fielen Schusters ein. Schusters, die ihr Leben lang Jagdhunde hatten und nun keinen eigenen Hund mehr wollten. Schusters, die immer wieder mal Gina abfingen, wenn sie ihr Herdenschutzhund-Dasein ausgrub und IHR Dorf umrundete, damit ich mit den anderen Nachbarn keinen Ärger bekam. Unzählige Mal konnte ich mich schon darauf verlassen, wenn Ginas Herdenschutzhund-Gen durchbrach und ich aber weg musste, alle sechst, bis acht Wochen gewöhnlich.

Vielleicht würden sie mich unterstützen…

 

Ein Galgo-Bardino-Mix. Sagte mir überhaupt nichts. Eine Woche später war er da. Sam. Sam gefiel mir nicht. Der Hund nicht und der Name nicht. Keine guten Voraussetzungen… Aber als ich ihn das erste Mal von der Leine ließ (ich habe mich nie an die Empfehlungen gehalten, irgendwann spürt man, dass es nun einfach nicht mehr geht und man es wagen muss), mit klopfendem Herzen, WEIL mir von der Hundeschulen-Susi eingeschärft worden war: „Den musste zwei Monate an die Schleppi nehmen – mindestens“, und ich ihn rennen sah mit seinem Windhund-Körper über den Acker fliegen, wie ein Sturmwind wieder heran brausen, er es kaum schaffte vor mir zu bremsen… da nannte ich ihn Niño. Nach „el Niño“, dem Sturm-Phänomen und auch, weil er einfach ein Bub war. El Niño eben. Niño musste man nicht abrufen, er war da, ließ mich nicht aus den Augen, als hätte er Angst, sein neues Glück könnte nur ein Traum sein.

 

Ich wusste es vorher. Die Ausmaße waren mir aber nicht bewusst gewesen. Nicht so. Mein Neuer musste aus seiner Familie ausziehen, weil er auffällig geworden war. Frauchen war mit einem Kleinkind und einem Säugling und dem Hundekind überfordert gewesen. Keine Erziehung. Nichts als ein Jahr geballtes Hundekind und viel guter Wille, alles richtig zu machen. Aber mehr würden wir auch nicht brauchen. Nach diesem ersten leinenlosen Rennen war mein Herz offen.

 

Er kann nicht allein bleiben, zerlegt die Bude und hat auch das Auto zerlegt, wenn Frauchen die Kinder nur eben in den Kindergarten brachte… Er kann auch nicht an der Leine laufen. Er packte den Hütehund aus und rannte hinter den kleinen Kindern her, zwickte sie in die Beine.

War offensichtlich eifersüchtig. Wurde dann – ich fand es später heraus, weil ich ihn nicht ins Gäste-WC bekam zum Pfoten abbrausen – wurde im Gäste-WC der Familie „separiert“… damit wenigstens für Stunden Ruhe einkehren sollte.

Nach zwei Tagen waren meine sämtlichen Zimmerpflanzen von den Fensterbänken geräumt und geschreddert. Weil ich nicht daran dachte, NUR zu Hause zu bleiben. Ich ging jeden Tag wenigstens kurz aus dem Haus. Und wenn es nur zur Post oder zum Mülleimer leeren war.

Ein Paar Hausschuhe kaputt, die Holzstreben in meinem Wohnzimmer zeigten deutliche Bissspuren. Es folgten meine Bistro-Gardinchen samt den Holzstäben. Langsam wurde unser Wohnzimmer zum Ausnahmezustand. Jedes Nach-Hause-Kommen ein Abenteuer. Bereits nach drei Tagen war ich schwer am Überlegen, was zu tun wäre und ob ich das alles mir und den Kids UND meiner Gina zumuten wollte. Ich hockte auf dem Fußboden und sammelte Zeitungsschnitzel auf – ich hatte ihm einen Berg Altpapier dagelassen, in der Hoffnung, er würde sich daran abreagieren und nicht an Stuhlbeinen und meinem Sofa. Das hatte schon mal funktioniert. Während ich Entscheidungsgedanken wälzte, kam von hinten ein Kopf über meine Schulter und eine nasse knuffige Nase schnoberte mir ins Gesicht. Und mein Sohn – grade 12 Jahre alt und ADS-erprobt – sagte trocken: „nach einer Woche hatte er ja noch gar keine Chance, viel zu ändern...!“ Gut – es war klar, ich wollte nur das Okay meiner Kinder, sonst ging das schief.

 

Ich begann meine Arbeit. Auto NICHT zerlegen und anständig an der Leine laufen waren die ersten Programmpunkte. Nach einer knappen Woche blieb er zwanzig Minuten allein im Auto liegen ohne irgendetwas zu kaputten…. Ich war glücklich. Mit der Leine dauerte es länger, aber auch das wurde. Ich musste ihm eine Kette mit Lederschlaufe kaufen, er biss nämlich alle Leinen durch. Zunächst. Zum Glück hatte er keinen Windhund-Kopf sondern eine Bardino-Rübe und Ginas altes Halti passte ihm genau. Zwei Mal die Woche war Hundeplatz angesagt.

 

Zuhause bleiben war weiterhin ein Drama. Und ich wollte nicht klein beigeben.

 

Du hast alles gegeben! Wir ALLE haben alles gegeben und sind aneinander gewachsen...

 

Mein Sturmwind… mein Herzhund… trotz der kurzen Zeit war es alle Mühe wert. In dieser Zeit hast Du jedenfalls noch schöne Tage gehabt, voll Leben und lauter Neuigkeiten… So long…

 

Unschätzbar sind für mich noch immer Deine Worte, die ich vor über zwei Jahren von einer lieben Tierkommunikatorin von Dir übermittelt bekam:

Ich hätte Dir ein Wolkenbett bereitet, Du hättest wieder Liebe gelernt und ja - Dein Ende kam wohl "überraschend", aber es wäre nur gut gewesen. Denn niemals hättest Du alt und gebrechlich werden wollen und auf Deine Geschwindigkeit verzichten mögen...