Themen, die ich im Lauf der Zeit aufgreifen möchte:
Suizid. Option oder Flucht
Denkanstöße zu einem besonderen Lebensübergang
Wir lernten: er ist entsetzlich, tragisch, unbedingt zu verhindern.
Wir gaben ihm auch einen furchtbaren Namen: Selbstmord! Sich selbst ermorden. Wie böse. Bestrafenswürdig. Oder?
Woher rührt unser Entsetzen darüber, dass ein Mensch seinem Leben ein Ende gesetzt hat?
Kommt es vielleicht gar nicht so sehr daher, dass dieser „arme Mensch“ sein Leben beenden wollte? Sondern entsetzen wir uns über uns selbst, weil wir unsere Ohnmacht erkennen?
Die Ohnmacht, nicht schon längst erkannt zu haben, was diesem Menschen fehlte, was er gebraucht, gesucht und nirgends gefunden hat? Ist es unser schlechtes Gewissen, das uns so entsetzt?
Warum setzen wir von vorn herein voraus, dass wir es besser wissen oder wussten, als Jener oder Jene?
Wir kennen alle diese Floskeln aus einschlägigen Fernsehsendungen: „Tun Sie das nicht!“ Warum nicht? „Es gibt für alles eine Lösung!“ Warum erst jetzt, wo er oder sie doch sicher schon lange eine Lösung von dieser unserer Gesellschaft erwartete? „Man kann über alles reden!“ Wer sagt, dass nicht schon alles geredet ist? Dass irgendwann einfach ausgeredet ist?
Warum glauben wir, so explizit plötzlich für einen anderen Menschen Verantwortung übernehmen zu müssen, nur weil er beschlossen hat, diesen Lebensweg zu beenden?
Müssen wir das Leben eines Menschen gegen seinen Willen „retten“?
Ich möchte kein Entsetzen verbreiten, ich möchte nur Denkanstöße geben.
Für mich ist die Beendigung meines Lebens eine Option, wenn mich in dieser Welt nichts mehr hält. Wenn die Möglichkeiten derart beschnitten werden, dass das Leben nur noch Kraft und Anstrengung bedeutet. Unsere Gesellschaft nach ihren Reglements Lebensraum definiert und dadurch beschneidet, dann bleibt für jene, die nicht „passend“ sind, nicht viel an Alternative übrig. Jeder gesund und logisch Denkende wird auf Wanderschaft einen unwegsamen Weg nicht auf Biegen und Brechen weiter gehen. Er wird umkehren, oder einen gangbaren Weg suchen. Und wieso soll dieser andere Weg in unseren festgebackenen Vorstellungen nur hier auf dieser Erde zu finden sein?
Ich lebe gern. Tatsächlich! Und immer noch… oder wieder. Aber ich werde nicht um jeden Preis leben wollen!
Es gab Situationen, in denen war aber die Grenze des für mich lebbaren Lebens fast erreicht. Dem einen Amt ist es wichtig, Sohn und Mutter wieder einigermaßen zusammenzuführen. Dem andern Amt ist es wichtig, festzuhalten, dass dieser Sohn nun wahrhaftig in der Wohnung der Mutter kein eigenes Zimmer braucht. Basta. Und wenn doch, dann selber zahlen. Bleibt wenig übrig zum Leben. Aber die Kreativität und ein wenig Wut im Bauch machts…
Der nächsten Behörde ist dies wurscht… Ratenzahlungen für verschwundenes Geld an dessen Verschwinden wiederum eine andere Behörde Schuld hat. Ob das bei dem geringen Etat noch möglich ist… wenn kümmert das. Die nächste Behörde fragt ernsthaft, wo denn noch Geld versteckt wäre, weil ein Mensch von 205 Euro nach Abzug von Miete und Energie nicht leben könne. Die anderen brüllen: „geht schon, wenn sie nur endlich ihre Hunde weg gäbe! Väterlich riet man mir dazu. Wer krank ist, kann auch keine Hunde versorgen! Dass umgekehrt ein Schuh draus würde, zu anstrengend, sich DAS vor Augen zu halten. Das andere Amt ruft: wieso schwerbehindert? Ihre Arztberichte sind nicht mal aktuell. Pech also, wenn man Schmerzen mit sich ausmacht und nicht so oft zum Arzt rennt – auch weil man/frau weiß, dass sich nicht soo viel ändern würde…
Ich habe also der ARGE zu entsprechen und in zwei Zimmern zu wohnen, dem Jugendamt zu entsprechen (Mitwirkung ist gefordert und Bedingung!), kann meinem Sohn aber keinen Raum mehr bieten, ich betrüge offensichtlich, denn mit 200 Euro kann niemand auskommen. Also muss ich irgendwo einen Goldklumpen haben… undsoweiterunsofort
So kam ich für mich irgendwann dieser Punkt: noch weiter in die Ecke gedrängt und nieder geknüppelt ist aufrechtes Gehen hier nicht mehr möglich. Ich muss also eine Entscheidung treffen. Warum also nicht meine Wege in einer anderen Welt fort setzen? Ganz pragmatisch als Option. Keine Flucht. Wenn mein Gehen auf dieser Seite des Ufers mir unmöglich gemacht wird, dann auf zu anderen Ufern!
Meine katholische Oma sagte mit den Jahren immer häufiger jenen Satz: „mei, wenn e ner ster’m kannt’ - - - !“ Entrüstung sofort bei allen, die es gehört hatten. Pflichtentrüstung? „so was sagt man doch nicht!“ Warum?
Ja und was ist mit jenen, die das aushalten müssen, dass der oder die einfach so gehen!?
Ja was ist mit jenen. Sie werden es aushalten müssen. Willkommen und Abschied… ein ewiger Kreislauf. Verkopft und anstrengend gemacht hat es wieder einmal der Mensch. Und darunter zum großen Teil die christlichen Kirchen. Gott allein habe das Recht, Leben zu beginnen und zu beenden… Aha. Selbst wenn es also Gott in irgendeiner Gestalt sicher gibt, woher wollen denn nun wir schon wieder genau wissen, wie er seinen Willen äußert? Nur weil ein Mensch nicht altersschwach einschläft oder nach einem Unfall stirbt, sondern den „Freitod“ wählt, sind wir sicher, dass das Gottes Wille nicht sein kann. Glaube aber, liebe Kirche, Glaube heißt nun mal glauben und eben nicht wissen. Wo wir aber an die Allmacht und Allmöglichkeit eines göttlichen Wesens GLAUBEN, können wir es nicht auf bestimmte Lebensbeendigungen festnageln. Die und die hat Gott gewollt und die oder die nicht…
Ich bin kein Wissenschaftler, ich frage nur!
Und wie, wenn mir mein Wert zwar sehr wohl bewusst ist, ich für meine Umgebung aber allenfalls eine Fallnummer mit Fallmanager, ein Aktenzeichen, ein lästiger Papierstapel, eine unerwünschte Sonderregelung bin… irgendwann ist die Grenze zur Müdigkeit erreicht. Man ist es müde, sich zu rechtfertigen, zu erklären, sich gängeln zu lassen und zwischen den Fronten der Vorschriften und Gesetzen zu manövrieren und zu havarieren…
„Lebensmüde“ ist ein passenderer Begriff als „Selbstmord gefährdet“ denn „gefährdet“ ist man ja nicht. Für den, der gehen will ist die Gefahr zu Ende. Die Gefahr,
zu verhungern, zu verdursten. Die Gefahr, zu erfrieren irgendwo ohne Hoffnung.Was ist mit jenen, die des Lebens müde sind in Ländern mit bestechlicher Regierung, Dauerarmut,
Dauerresignation...
Wenn ein Mensch nach langer Krankheit und vielen Operationen keinen „Lebenswillen“ mehr hat und dann auch seltsamerweise stirbt, obwohl organisch Besserung möglich wäre, rufen wir dann auch „ogottogottogott, Selbstmord!!!“?
Wenn es dieser unserer Gesellschaft einschließlich der Politikerkaste nicht gelingt, jenen Müden Ruhe und Linderung zu verschaffen – UND MÜDE GIBT ES IN ALLEN LÄNDERN DER WELT! – dann haben wir einfach nur zu registrieren: Die Tragik liegt nicht jenseits im Tod oder je nach Glaubensart im anderen Leben… die Tragik liegt hier, diesseits!!!
Für mich ist der Weg diesseits derzeit leidlich gangbar. Ich laufe nicht besonders kräftig und selbstbewusst meinen Lebensweg, aber mit einigermaßen Raum, auch für Ruhepausen. Weniger wäre schon wieder zu wenig und erdrückend… Und so kommt derzeit der Weg drüben nicht in Frage.
Ich wollte und will hier auch kein Rezept ausstellen. Nur eine unaufgeregtere Sicht auf die Entscheidung eines Menschen der des Lebens müde ist, anregen.
Und nochmals: die Tragik liegt nicht im Weg in den Tod (wir sollten auch ein unaufgeregteres Verhältnis insgesamt zum Tod haben.), die Tragik liegt hier bei uns im Leben!
*** *** ***
Sage mir was du fragst und ich sage dir, was du nicht hören wolltest -
Floskeln und andere Unhöflichkeiten
Beobachtet habe ich Folgendes: Mein Leben, meine Lebenswege waren keineswegs immer nur "schlecht" oder nur "gut". Und etwa bis zum Alter von 20 Jahren machte ich mir
darüber überhaupt keine Gedanken, ich lebte, erfüllte Anforderungen der Gesellschaft, der Kollegen, der Arbeitgeber - was auch immer. Ich trug lange Zeit einen zähen Pragmatismus mit mir und erst
sehr zögerlich kam mir, dass es auf viele Fragen, die mich im täglichen Leben erreichten, keine einfache Antwort gab. Der Gleichmut mit dem ich bisher meinen Alltag bewältigte, wurde irgendwie
durchbrochen, ein verändertes Bewusstsein warf mir plötzlich Gedanken in Herz und Gehirn und es kam zu einem ersten direkten Erlebnis, ich wurde gefragt - ganz nebenbei und wie man so oft gefragt
wird: "wie gehts ihnen denn?" und ich spontan antwortete: "Was wollen Sie denn hören? Das ist eine Frage, die ich weder mit nur "gut" noch nur mit "schlecht" beantworten kann! Es gibt Menschen,
denen geht es gesundheitlich und finanziell wesentlich besser als mir, so gesehen gehts mir schlecht. Es gibt aber auch Menschen, denen geht es wesentlich schlechter als mir, noch weniger Geld
als ich, obdachlos, verfolgt - was auch immer. So betrachtet geht es mir noch relativ gut!"
Daraufhin endete das Gespräch - wenn es denn überhaupt eines war, sehr schnell.
Sonderbarerweise kam ich überhaupt nicht auf die Idee, der Frager könnte "unhöflich" gewesen sein!
Ich habe darauf hin Menschen beobachtet, denen ich die Frage stellte. Es schien sich einfach nicht zu gehören, wahrheitsgemäß zu antworten. Jeder verdrückt und
verdrückte sich hinter die Antwort "och - danke, gut" oder "na, wie immer", bestenfalls noch mit einem Anflug von Ehrllichkeit "mühsam ernährt sich das Eichhörnchen".
Was ist nur mit unserer Gesellschaft los, dass sie in Kauf nimmt, Anteilnahme vorzutäuschen sowieso in der Hoffnung nur ja nicht Details zu erfahren, am Ende lange
auf dem Bürgersteig zu stehen und sich Gejammer anhören zu müssen. Oder in Zugzwang zu geraten, in etwas involviert zu werden, was anstrengend werden könnte?
Was ist mit unserer Gesellschaft los, dass jeweils die so Gefragten schon davon ausgehen müssen: mein Gegenüber will eigentlich nicht wirklich wissen, wie es mir
geht.
Oder anders noch: Wie kommt irgend jemand halbfremdes dazu, mich so auszufragen? Da sag ich einfach "danke, gut" und dann ist Ruhe!
Später - auch in jüngster Zeit - bemerkte ich eine weitere Besonderheit: Gerade wenn die Frage "wie gehts Dir denn?" von Menschen an mich gerichtet wird, die selbst
mehr Schatten als Sonne in ihrem Leben hatten, und ich antwortet "nicht so gut", wollen DIESE Menschen es genau von mir hören... Je geölter und erfolgreicher mainstream-gebürstet die Menschen
sind umso mehr ist die Frage rhethorisch und von lackierter Höflichkeit.
Manchmal gönne ich mir das Erlebnis, einer Verkäuferin auf Ihre Frage: "Haben Sie noch einen Wunsch?" wahrheitsgemäß zu antworten: "Ach, Wünsche? Jede Menge, aber
ich glaube nicht, dass Sie mir die erfüllen können!"
Manchmal überkommt Menschlichkeit und Wärme die Menschen, sie springen auf den Spaß an und es ergibt sich eine nette Unterhaltung, vielleicht macht das noch nach
Ladenschluss Denjenigen oder Diejenige nachdenklich, oder zaubert ein verschmitztes Lächeln auf ihre Gesichter...
Grundsätzlich aber beschäftigt mich schon das, was zwischen Menschen im oft wirklich grauen Alltag so passiert, was verschüttet wird in Eile und Worthülsen und
falscher Bescheidenheit.
Warum traut sich niemand, die Befindlichkeiten anderer anzuhören? Warum traut sich niemand, auf die Frage: wie geht es dir? zu antworten "oh, grade überhaupt nicht
gut".
Ähnliches geschah mir jüngst als ich um Hilfe bat, viele unterschiedliche Menschen bat und auch von Menschen, von denen ich es gar nicht erwartet hatte, Hilfe
angeboten bekam!
Das Erstaunliche daran war: ich sollte DIE Hilfe annehmen, die die Anbieter für hilfreich hielten. Sagte ich deutlich, WAS mir am direktesten und am sichersten
helfen würde - verstummten die Anfrager. Entweder vorübergehend, um mir nachher nochmals Hilfe an an meiner Not vorbei anzubieten - oder aber ich hörte gar nichts mehr!
Es ist also kein Wunder, wenn Menschen an den Lebensrändern ohne Lobby ohne Fürsprecher resignieren und einfach nicht mehr um Hilfe nach suchen! Entweder Bürokratie
in Reinform und allerlei Bestimmungen verhindern menschliche Hilfe, die im Moment punktgenau lindern könnte. Oder unsere privaten Befindlichkeiten lassen grade keine Hilfestellung für den
Bittenden zu (wäre ja noch schöner, da hätte man ja überhaupt kein Privatleben mehr! Oder "wie so ich", es gibt doch so viele andere die helfen könnten! Oder: Wir haben selber genug um die
Ohren!))
Ich fasse mich da ganz sicher auch an meine eigene Nase, obwohl ich momentan wirklich abwägen muss, wieviel Hilfe ich wirklich gut leisten kann, ohne mich gleich
wieder zu überfordern.
Wenn die einen die Sicherheit haben dürften, ohne Scheu auf Fragen zu antworten, die andere ehrlich und mit Interesse stellen, wäre dann nicht plötzlich viel mehr
Menschlichkeit um uns herum? Menschlichkeit an Stelle von wohlgesetzten steifen Worten, die wir als praktisch empfinden und leicht zu ersetzen durch beliebige ähnliche
Satzkonstruktionen?
Menschlichkeit statt verstopfter Ohren und der Angst, dann auch wirklich aktiv werden zu müssen?
Hilft es, zuerst und zunächst dem Wort "Höflichkeit" den anhaftenden Mief von "Zeremoniell" und "Steifheit" zu nehmen? Und wie sehr trauen wir uns das Wort
"unhöflich" mal näher zu betrachten?
"I have a dream...!"
(Juli 2010, überarbeitet und erweitert:...)
*** *** ***
Psycho-logisch
Wer einen Herzinfarkt hatte, hat Klinikaufenthalte, Reha-Maßnahmen wahrscheinlich, und jede Menge Arztbesuche hinter sich.
Eine akute Blinddarmentzündung verlangt ebenfalls nach einer OP und ein paar Tagen Klinik. Hört sich alles dümmlich an, oder? Schließlich weiß das doch jeder! Eben.
DAS weiß jeder. Gebrochene Seelen, uralte unbehandelte Herzwunden, eine unter Rüstungen begrabene kaputte Psyche - das sind "unheimliche" Krankheiten, im doppelten Sinn.
Sie sind für den, der sie hat nicht eben "heimlich" im Sinne von gemütlich und sie sind "Gesunden" nicht ganz geheuer, auch nicht sonderlich "heimlich"
Warum in unserer Gesellschaft psychische Erkrankungen immer noch mit "Unmündigkeit", Unfähigkeit oder "Verrücktheit" gleich gesetzt wird - ich habe darauf keine präzise und kurze Antwort.
Leider.
Eine Seele heilt langsam, mindestens so langsam, wie sich der Druck und das Zerbrechen aufgebaut haben... also heilt sie vermutlich für den Rest des Menschenlebens, wenn die Bedingungen gut sind
und die Krankheiten der Seele überhaupt erkannt wurden und akzeptiert!
Da gibt es nicht Diagnose, Therapie und als geheilt entlassen - - -
Und nicht jede kranke Seele bedeutet Totalausfall des dazu gehörenden Menschen. Warum denken wir immer wieder so?
Ich erlebe es selbst, seit fast zwei Jahren beinahe jeden Tag. Insgesamt habe ich von dieser Zeitspanne etwa vier Monate in einer psychosomatischen Klinik verbracht. Nicht in der Psychiatrie
wohlgemerkt! Das erwähne ich am besten nur dann, wenn es wirklich gefragt wird, habe ich gelernt! Auch, dass ich immer noch und wohl auch noch länger in ambulanter Therapie sein muss, verschweigt
frau besser. Auch, dass mir in der Klinik geraten wurde, zu meiner Entlastung für etwa drei Jahre einen Betreuer für Amtsgeschäfte, Krankenkassengezerre und ähnliches zu beauftragen.
Sonst sieht man mich von links unten schräg an und ich fühle förmlich die aufsteigenden Denkblasen: kann die überhaupt allein einkaufen? Kommt die überhaupt mit ihrem Haushalt noch klar? Kann die
überhaupt noch ihre Hunde versorgen?
Das eigentlich Verrückte an der Geschichte ist, dass ich selber erst Bekanntschaft mit meiner eigenen Krankheit machen musste. ICH dachte nämlich, ich wäre gesund, müsste mich nur noch etwas mehr
anstrengen und an die Kandarre nehmen, dann würde alles schon wieder werden...
Genau das Gegenteil war aber richtig. Ja, ich bin krank. Ich bin unglaublich schnell ausgelaugt und überfordert, wenn mich mehrere Situationen zu gleich beanspruchen. Ja, ich musste erkennen,
dass ich schon länger als mir bewusst, krank gewesen sein muss. Und dass ich gut Beton über alles gegossen hatte: the show must go on!
Ja, es erfüllte mich selbst mit Entsetzen, als ich Ausmaß und Zusammenhänge erkannte und noch immer neu erkenne!
ABER ich lerne auch, nach meinen neuen Verhältnissen zu leben. Es wird eben nur ein wichtiger fester TErmin pro Tag gemacht. Ich muss eben danach etwa zwei Stunden Leerlauf einkalkulieren. Ich
kann eben nicht mehr "multitasking", neben Essen kochen noch Kuchenbacken und Wäsche aufhängen. Mindestens eine Sache davon geht schief, wenn nicht alles. Ich habe es selber NICHT geglaubt, weil
das eigentlich ganz normale multitaskings sind. Aber bei mir ist es eben nicht so. Und ich weiß, dass ich künftig nicht nur auf meine kaputten Knochen achten muss, sondern eben auch auf das, was
meiner Seele gut tut und das was meine Kräfte übersteigt. Ansonsten bin ich tatsächlich zurechnungsfähig, nicht "bekloppt" und sogar "geschäftsfähig"...
Ich weiß, was ich kann und dass ich mir auf diesen Gebieten etwas mehr zumuten kann, aber auch nicht immer. Ich kann Hunde ;-) - ich kann schreiben und ich kann mit Menschen. Mit Menschen nicht
immer, und nicht immer mit jedem, aber darauf stelle ich mich eben ein.
Das Lebenstempo ist langsam geworden, aber in dieser Langsamkeit doch "normal"...
Vielleicht liegt die Crux darin, dass unsere Gesellschaft insgesamt einen falschen Lebensrhythmus vorgibt, dem alle folgen müssen oder sogar folgen wollen. Mit dem Ergebnis, dass man die andere
Gangart einfach nicht mehr versteht...
Gang - Art - - - die Kunst, durch das Leben zu gehen....ohne falsche Folgerungen zu ziehen.
"Psycho" ist eben nicht logisch!?
Wir haben zuviel vergessen von unseren uralten Tugenden... und ich fürchte, es ist wie mit allem in unserem beschleunigten Leben: es muss immer erst was passieren, ehe wir zum Nachdenken, zum
Umdenken und DANN zum Handeln kommen!
Es muss erst die Betonmaskerade mit Pauken und Trompeten zusammenbrechen, das eigene Umfeld aus allen Fugen geraten, ehe der Einzelne erkennt, was wirklich dran ist und sich traut, getraut,
zutraut, seine Hamsterräder zu verlassen!
Lassen wir uns nicht den Geschwindigkeitsrausch von "Leben um zu arbeiten" aufdrücken, fangen wir damit an, einen Käfer auf ein Blatt zurückzubalancieren und versonnen in den Gewitterregen zu
gucken, zu riechen, zu spüren. Zu hören, wie Schnee die Geräusche verändert und ein, zwei Mal am Tag dafür das Telefon NICHT zu hören, einfach so...
"Atemkunde", "Lebenslehre", so die ürsprüngliche Bedeutung im Griechischen... Viel Freude beim Leben- und Atmenlernen...